|
Jedermann – das Spiel vom Sterben des reichen Mannes
Von Hugo von Hofmannsthal (1874 – 1929)
Ein seltsames Stück, eine betroffen machende Handlung, umgesetzt in altertümlicher Sprache – vielleicht deswegen stets modern.
Liebe, Tod und Teufel, der schnöde Mammon und die guten Werke, Glaube und Freundschaft – kurz vor seinem überraschenden Tod muss sich Jedermann stellen- und bekennen! Was bedeutet ihm mehr – der Glaube oder das Geld?
Gott hat den Tod beauftragt, Jedermann vor das Jüngste Gericht zu holen, damit er dort für sein irdisches Leben Rechenschaft ablege. Denn niemand glaubt mehr an den Allmächtigen. Besonders Jedermann: Auf dem Weg zu seiner Buhlschaft verweigert er dem armen Nachbarn eine milde Gabe. Den Schuldknecht lässt er ins Gefängnis bringen. Die Mahnungen seiner Mutter hört er nicht. Auf einem Fest ängstigen ihn plötzlich Todesahnungen. Als der Tod mitten im Trubel den verängstigten Jedermann zu seiner letzten Reise aufruft, bittet er Freunde, Verwandte und zuletzt auch seinen Besitz, den Mammon um Begleitung. Alles flüchten - nur die Guten Werke und der Glaube bleiben bei ihm. Nun tritt der Teufel auf den Plan und beansprucht das Recht Jedermann
zu sich zu holen...
Max Reinhardt inszenierte am 1. Dezember 1911 im Berliner Zirkus Schumann die Uraufführung des „Jedermann“ von Hofmannsthal. Den Stoff entnahm der Dichter spätmittelalterlichen Quellen. Sein Ziel war es, die von ihm als zeitlos verstandene „Geschichte von Jedermanns Ladung vor Gottes Richtstuhl“ dem deutschen Theater zuzuführen. Hofmannsthal geht es dabei nicht um eine theologische Umgestaltung des Stoffes, sondern um die künstlerische Neuformung des Spiels. Das Stück ist ein Beispiel für ein modernes, am Mittelalter geschultes religiöses Theater, das die kulturellen Traditionen der Vergangenheit mit der christlichen Lehre des Leidens verbindet.
Sein lyrisches und dramatisches Werk macht Hofmannsthal zu einem der bedeutendsten Vertreter des Impressionismus und des Symbolismus. In stetem Austausch mit Richard Strauss und Max Reinhardt entwickelte er seine Theorie des Ästhetischen als letzter Instanz des Daseins.
Das THEATER SZENE bringt das Stück in der Originalfassung von 1911 auf die Bühne.
„Ich habe in meinem ganzen Leben nichts anderes getan, als meine Träume verwirklicht. Nicht restlos glücklich und mit dem wechselnden Glück, das sterblichen Menschen eben beschieden ist. Aber wenn Träume so stark und lebendig sind, dass sie andere Menschen in ihren Bann ziehen und zum Mitträumen verführen können, so entsteht jene zauberhafte Wirklichkeit, die für mich Theater heisst.“ (Max Reinhardt)
„Das Geheimnis des grossen Jedermann Erfolges liegt doch darin, dass die handlung und ihr Sinn jeden Zuschauer, den Kompliziertesten und den Primitivsten im Tiefsten rührt und ihm zu Herzen geht; dass jedermann versteht, was dargestellt wird.“ (Max Reinhardt)
„Aber zwischen dem Schlaf, aus dem wir kommen, und dem Schlaf, in den wir gehen, haben wir den Gang des kurzen Traumes nicht durchwegs in der Hand.“ (Max Reinhardt)
„Was mir vorschwebt, ist ein Theater, das den Menschen wieder Freude gibt, und das sie
aus der grauen Alltagsmisère über sich selbst hinausführt in eine heitere und reine Luft der Schönheit. Ich fühle es, wie es die Menschen satt haben, im Theater immer wieder das eigene Elend wieder zu finden und wie sie sich nach helleren Farben und einem erhöhten Leben sehnen.“ (Max Reinhardt)
|